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Pascal Mercier: Nachtzug nach Lissabon (2004)

4. Juni 20244. Juni 2024
Buch bei Thalia
Buch bei medimops (gebraucht)

🌃 🚉 “Nachtzug nach Lissabon” von Pascal Mercier (ein Pseudonym des verstorbenen Peter Bieri) habe ich über einen längeren Zeitraum gelesen, da es nicht ganz dünn ist. Aber ich hatte immer wieder neu den Eindruck, dass es sich lohnt. Und es hat sich gelohnt.

“So wie ich aussah und wirkte – dachte ich – war ich nie gewesen, keine einzige Minute meines Lebens. Nicht in der Schule, nicht im Studium, nicht in der Praxis. Geht es den Anderen auch so: daß sie sich in ihrem Äußeren nicht wiedererkennen? Daß ihnen das Spiegelbild wie eine Kulisse voll von plumper Verzerrung vorkommt? Daß sie mit Schrecken einen Abgrund bemerken zwischen der Wahrnehmung, die die Anderen von ihnen haben, und der Art, wie sie sich selbst erleben? Daß die Vertrautheit von innen und die Vertrautheit von außen so weit auseinander liegen können, daß sie kaum mehr als Vertrautheit mit demselben gelten können?”

Die Handlung dreht sich um einen Lehrer aus Bern, der Hals über Kopf seinen Alltag hinter sich lässt. Er taucht in die Geschichte eines anderen Mannes ein, ein Abenteuer, das ihn nach Lissabon und mitten hinein in die Wirren der portugiesischen Widerstandsbewegung unter Salazar führt ✊.

Später, als wir wieder in Lissabon waren, beschäftigte ihn oft die Frage, ob es auch so etwas gibt wie Loyalität sich selbst gegenüber. Die Verpflichtung, auch vor sich selbst nicht davonzulaufen. Weder in der Vorstellung noch in der Tat. Die Bereitschaft, zu sich zu stehen, auch wenn man sich nicht mehr mag. Er hätte sich umdichten mögen und dann dafür sorgen, daß aus der Dichtung Wahrheit würde. Ich ertrage mich nur noch, wenn ich arbeite, sagte er.«

Die Gedanken die dabei zutage kommen, und die Art der Reflektion ist wirklich beeindruckend dicht und tief. Schwer zu beschreiben – als Gegengewicht zu einem Sachbuch perfekt!

Gregorius hatte sich in seinem Leben noch nie gelangweilt. Daß einer nicht wußte, was er mit der Zeit seines Lebens anfangen sollte: Es gab weniges, was er so unverständlich fand wie das. Auch jetzt langweilte er sich nicht. Was er in dem stillen, viel zu großen Haus empfand, war etwas anderes: Die Zeit stand still, oder nein, sie stand nicht still, aber sie zog ihn nicht mit sich fort, trug ihn keiner Zukunft entgegen, floß an ihm unbeteiligt und berührungslos vorbei.

Buch bei Thalia
Buch bei medimops (gebraucht)

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