Diesen Beitrag veröffentliche ich bewusst als Nachfolger meines letzten Beitrags über Volker Ullrichs Hitler-Biografie. Denn nicht nur, aber auch in Hinblick auf diese Biografie scheint folgende Frage mehr als relevant: Ist der Mensch von “Natur” aus gut oder schlecht? Wie würden wir uns in einer Welt und Situation völlig frei von Zivilisation, Kultur, Normen und Werten verhalten?
Ich finde diese Frage extrem spannend. Denn unser Verhältnis zu dieser Frage, unser Menschenbild, prägt unser Verhalten enorm. Für alle denen es ähnlich geht empfehle ich das Buch “Im Grunde gut” von Rutger Bregman (2020).

Für meine Generation ist sicherlich der Beitrag Dawkins mit “Das egoistische Gen” von 1976 ein Faktor, der evolutionsbiologisch den Faktor der “Konkurrenz” besonders stark betont haben könnte. Bregman fragt: Wenn wir uns alle zueinander mit der Annahme verhalten, der Mensch sei von Natur aus egoistisch, ist es dann ein Wunder, dass ein Wirtschaftssystem entsteht, in dem ein solches Verhalten tatsächlich zum Erfolg führt? Könnte das vielleicht auch andersherum funktionieren?  “Im Grunde  gut” könnte man fast einen Art Gegenentwurf aus einer meta-wissenschaftlichen Perspektive nennen.

Aber: Das letzte Drittel empfand ich persönlich als leicht repetitiv, irgendwie hat der Autor mich am Ende ein wenig verloren, also keine vorbehaltlose Empfehlung an dieser Stelle. Aber selbst wenn ihr nur die erste Hälfte lest, werdet ihr viel mitnehmen. Ganz nebenbei führt Bregman in grundlegende philosophische Theorien ein und bietet für uns allen bekannte Experimente neue Interpretationen an.

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